Mathestunde

Eine ganz normale Mathestunde.

Alle sitzen auf ihren Plätzen. Kurzer Überblick über die Stundenstruktur.

Drei Schüler verziehen sich mit ihrem Wochenplan an einsame Orte – sie arbeiten selbstständig an ihren Aufgaben, da sie den Stoff, der heute erarbeitet und geübt werden soll, schon lange beherrschen. Wir planen, dass sie den Stoff des dritten Schuljahrs in weitaus kürzerer Zeit durcharbeiten als der Rest der Klasse, dazu vertiefende Aufgaben und Aufgaben aus Bereichen erhalten, die für diese Schulstufe noch nicht vorgesehen sind, also eine Kombination aus Akzeleration und Enrichment.  Es ist ein Experiment, mit den Eltern abgesprochen. Ihren Lernfortschritt und die Arbeitssorgfalt werde ich am Ende der Woche kontrollieren.

Alle anderen treffen sich im Teppichkreis auf dem Fußboden. Ausgehend von der Zehnerergänzung wird die Ergänzung bis 1000 erarbeitet, Schritt für Schritt. Dabei symbolisieren Spielzeugschafe die einzelnen Schritte – das Lämmchen ergänzt zum nächsten Zehner, das Mutterschaf zum Hunderter und der Widder macht die Hundertersprünge bis 1000. Es geht auch ohne Tiere, für manche Kinder sind sie aber eine wichtige Anschauungshilfe und emotionale Stütze. Die Aufgaben schreibe ich mit Boardmarkern auf Mini-Whiteboards im A4-Format. Sie sind stabil beim Hochhalten, lassen sich schnell umsortieren, z. B. um Analogien zwischen den Zahlenräumen zu zeigen, und man verschwendet nicht so viel Papier.

Nach den ersten drei 1000er-Aufgaben zerfasert die Gruppe. Einige beginnen sich zu langweilen, andere schalten ab, weil es für sie zu schnell ging. Wer sich sicher fühlt, darf nun an seinem Platz die zugehörigen Aufgaben aus dem Arbeitsheft selbstständig lösen. Sie kommen später zur Kontrolle vorbei, bzw. kontrollieren ihre Aufgaben miteinander – haben sie unterschiedliche Ergebnisse, liegt bei mindestens einem ein Rechenfehler vor, also muss der Fehler gesucht und behoben werden. Alle Arbeitshefte schaue ich am Nachmittag zeitnah durch und habe so einen Überblick, wer das Thema wirklich beherrscht und wer sich (mal wieder) ein wenig selbst überschätzt hat, wo ich also nachhaken und noch einmal beim Rechnen zuschauen muss.

Wer noch unsicher ist, bleibt im Kreis und übt und lernt weiter mit intensiver Betreuung und in verlangsamtem Tempo, bis er oder sie glaubt, nun alleine weitermachen zu können. Mancher genießt auch einfach die Nähe und Aufmerksamkeit der Kleingruppe, aber das darf auch mal sein, solange die Kinder mit echten Schwierigkeiten dadurch keinen Nachteil haben. Die Schäfchen sind inzwischen in die Kinderhände gewandert, für die sie gedacht waren, bewachen den Rechenstrich und helfen, keinen Schritt der Rechnung zu vergessen. Ich liebe es, wenn man dabei die Aha-Momente der Kinder mitbekommt, wenn sie beginnen zu verstehen, wie das alles zusammenhängt mit diesen Zahlen und wenn man einen Einblick in ihre individuelle Mathematik erhascht – und gegebenfalls frühzeitig intervenieren kann.

Diese Kinder werden heute die obligatorischen Aufgaben im Arbeitsheft nicht schaffen. Das macht aber nichts, es wird notiert und in den Wochenplan der nächsten Woche gepackt. Dann sind sie wieder ein Stückchen weiter und können selbstständig bewältigen, was ihnen heute noch schwer fiel.

Am Ende der Stunde kommen wir alle zusammen. Ein Kind ist gestern beim Autoquartett auf eine Karte gestoßen, die zu einem Thema passt, das wir vor Weihnachten angerissen haben und möchte sie allen zeigen. Und nun kommt doch tatsächlich auch die Technik noch zum Zuge –  nach Abfotografieren der Spielkarte mit dem Tablet bestaunen wir am Whiteboard den größten Braunkohlebagger der Welt.

 

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