Wie können wir digitale Medien in die Schulen bringen? – Eine kleine Ideenskizze

Die digitale Revolution in den Schulen lässt noch immer auf sich warten.

Das liegt daran, dass wir keine (modernen) Geräte besitzen, meinen die einen.

Uns fehlt die Infrastruktur, sagen die anderen,

Wir haben kein Netz. Das Ablenkungspotential zu hoch.

Alles ist viel zu teuer, dafür könnte man besser …. (hier Herzenswunsch des Fachbereiches einsetzen, der diese Bedenken äußert) anschaffen.

Deutlich ist – viele Lehrer können keine neuen Medien im Unterricht einsetzen.

Es fehlen ihnen die Technik und das KnowHow. Meist beides.

Viele Lehrer wollen aber auch keine neuen Medien einsetzen.

Es fehlt ihnen das Selbstvertrauen, dass sie noch einmal etwas ganz Neues lernen könnten.

Es fehlt die Einsicht, dass sie noch einmal etwas ganz Neues lernen müssten.

Es fehlt der Mut, sich vor Schülerinnen und Schüler zu stellen, die mehr wissen als man selbst.

Es fehlt die Erkenntnis, dass digitale Medien den Unterrichtsalltag verändern könnten.

Es besteht die Furcht, dass digitale Medien den Unterrichtsalltag verändern könnten.

Dem Nicht-Wollen kann man nur schwer entgegentreten, wohl aber dem Nicht-Können.

Hier eine kurze Vision, wie so etwas gelingen könnte:

  • Zentral werden Lehrkräfte eingestellt oder auf eigenen Antrag abgeordnet, die sich beim Einsatz neuer Medien profiliert haben.
  • Diese Lehrkräfte können von Schulen zur Beratung und Weiterqualifikation angefordert werden.
  • In der Präphase lernen die Spezialisten die Schule und deren Wünsche/Ziele kennen, verschaffen sich einen Überblick über den vorhandenen Stand der Technik und der Kenntnisse, beraten in Absprache mit dem Schulträger eventuell bei Neuanschaffungen.
  • In der Einstiegswoche bleiben die Spezialisten die gesamte Woche an der Schule. Sie zeigen eigenen Unterricht, hospitieren und beraten interessierte Kolleginnen und Kollegen individuell, planen mit ihnen gemeinsam Stunden mit Medieneinsatz, gestalten nachmittags eine schulinterne Fortbildung für das gesamte Kollegium.
  • Ein Jahr lang führt der Spezialist nun einmal monatlich einen Weiterbildungsnachmittag für das gesamte Kollegium durch. In der Zwischenzeit berät er einzelne Lehrkräfte auf deren Wunsch hin auf digitalem Weg (Mail, Mumble, Skype, Hangout…)
  • Danach wächst der Abstand auf ein bis zwei Fortbildungstage pro Schuljahr, bei denen das Kollegium neue Impulse erhält und mit neuen Entwicklungen bekannt gemacht wird.
  • Die Förderung von Teilnahmen an regionalen und überregionale Konferenzen und Veranstaltungen (in NDS: Schulmedientage) können der Vernetzung dienen und den „digitalen Gedanken“ stärken. Langfristig können sie den Einsatz des Spezialisten an der jeweiligen Schule entbehrlich machen, die sich nun selbstständig weiter fortbildet.

Voraussetzungen:

  • Die Spezialisten müssen praktische Erfahrungen in der jeweiligen Schulform besitzen. Ihre neue Aufgabe muss finanziell attraktiv sein, das Zeitkontingent, das für Vorbereitungen und Absprachen mit Schulen zur Verfügung steht, üppig.
  • Die Spezialisten einer Region benötigen eine zentrale Anlaufstelle mit Arbeitsräumen, in der sie sich auch untereinander beraten, gegenseitig den Rücken stärken, aber auch die neuesten Erkenntnisse austauschen können.
  • Die Weiterbildung der Spezialisten muss großzügig gehandhabt und unterstützt werden. Nur so können sie an der Spitze der Entwicklung bleiben.
  • Die Schulen müssen sich (zumindest anfangs) freiwillig für das Programm bewerben. Sie erhalten dafür im Gegenzug Unterstützung bei der Anschaffung, besonders aber Unterhaltung der technischen Ausstattung. Sie bekommen irgendeine Auszeichnung, die man plakativ neben die Eingangstür schrauben kann und Pluspunkte bei der nächsten Schulinspektion.

Warum sollten Schulen sich so etwas antun?

Schule sind dazu aufgefordert, sich stets weiter zu qualifizieren. In den städtischen Bereichen stehen Schulen in Konkurrenz zueinander. Hier ist eine gute Profilbildung wichtig, ein guter „Ruf“ in der Stadt, mit dem man sich von anderen Schulen absetzen kann – überzeuge die Eltern, dann hast du die Schüler.

Ist man erst einmal als innovative Schule bekannt, ist man auch als Arbeitgeber attraktiv.

Die gemeinsame Verwirklichung eines (von allen befürworteten) Konzeptes, das gemeinsame Stemmen einer Aufgabe kann positiv auf das Kollegium und seinen Zusammenhalt zurückwirken. Hier kommt es auf das Geschick des Spezialisten und der Schulleitung an, wirklich alle Kolleginnen und Kollegen davon zu überzeugen, dass diese lange Qualifizierung für alle vorteilhaft ist, Ängste und Komplexe abzubauen und alle auf die Reise nach Neuland mitzunehmen.

Und warum noch?

Nicht zuletzt, weil es politisch gewollt ist (vgl. Beschluss der KMK http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_03_08_Medienbildung.pdf ) und weil die Zukunft unserer Kinder ohne digitale Medien nicht mehr vorstellbar ist.

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10 Kommentare
  1. Wollten (ja, wollten, und nicht wollen) wir die Neuen Medien tatsächlich im Unterricht haben, würden wir längst nicht mehr von Weiter-, sondern von Ausbildung sprechen. Das heisst, die LehrerInnen müssten ausgebildet werden, und zwar dort, wo sie ausgebildet werden, also an den entsprechenden Berufsschulen. Dies würde wiederum die Ausbildung der BerufsschullehrerInnen voraussetzen.

  2. frandevol sagte:

    Ich ersetze mal gedanklich „Berufsschule“ durch PH/Universität.

    In D gibt es mehrere Bundesländer, die eine Medienausbildung verpflichtend in die Lehramtsausbildung aufgenommen haben, sei es in der 1. Phase (Uni / PH) oder in der 2. Phase (Studienseminar).
    Wollte man allein in der Ausbildung ansetzen, sähe ich folgende Schwierigkeiten:

    Uni ist ein sehr träges System, Lehramtsausbildung zudem meist ein ungeliebtes Kind, da es weder Forschungsgelder noch Renommee einbringt. Hier an Ausbildungsinhalten zu drehen, ist oft langwierig. Die in der Lehramtsausbildung Tätigen haben nicht immer praktische Schul-Erfahrung, wenn ja, haben sie selten selbst mit Medien im Unterricht gearbeitet. Es wäre eine Möglichkeit, hier Lehrende aus medienpädagogischen Studiengängen mit einzubinden. Aber dagegen spricht meist die Universitätsstruktur, die eine strikte Trennung der einzelnen Fachbereiche und Institute vorsieht. Abhilfe könnte die Einbindung von Lehrbeauftragten schaffen, die als Lehrer selbst in guter Medienpraxis stehen und stundenweise abgeordnet werden.
    DIe Ausbildung der 2. Phase läuft in D (noch) überwiegend in der Schule ab. Da hat das Ausbildungs- oder Studienseminar nur wenig Einfluss, wer aus dem Kollegium sich bereit erklärt, einen Anwärter oder Referendar zu betreuen. Für die angehende Lehrkraft wird es zum reinen Glücksspiel, ob und in welchem Ausmaß sie in der Ausbildung mit neuen Medien in Kontakt kommt und wie weit sie sich selbst damit ausprobieren kann und darf. Zwar kann das Ausbildungsseminar entsprechende Seminarsitzungen anbieten oder auch verpflichtend machen, ob die Inhalte dann aber in der Ausbildungsschule umgesetzt werden (können), ist fraglich. Und nur theoretisch vermitteltes Wissen reicht nicht aus, um Lehrverhalten entscheidend zu verändern.

    Angenommen, wir hätten nun aber im Einsatz neuer Medien gut ausgebildete Berufsanfänger in den Kollegien.
    Wie wahrscheinlich ist es, dass gerade sie die Schulleitung dazu bewegen können, die Schul-IT auf den neuesten Stand zu bringen?
    Wie wahrscheinlich ist es, dass gerade sie im Kollegium den Impuls setzen können, dass sich nun plötzlich alle für neue Medien begeistern?
    Wie wahrscheinlich ist es, dass gerade sie Unterichtsstrukturen in Hinsicht auf Kollaboration, Vernetzung und Digitalisierung verändern können?
    Oder wie wahrscheinlich ist es, dass ein eingefahrenes Kollegium „das Küken“ erst in die Frustration und dann in die Resignation führen wird?

    Selbst wenn es den Berufsanfängern gelingen kann, ihren eigenen Unterricht digital zu verändern, würde diese „Revolution von unten“ (in Dienstjahren gesehen) viel zu lange dauern, bis sie alle Schulen erfasst hat.
    Wir müssen beide Wege gehen – den über die Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen bzw. Universitäten und den über die Weiterbildung innerhalb der Kollegien.

    • ersetze gedanklich die PH/Uni’s durch Berufsschulen, und die Chance vergössert sich rapide, dass die Neuen Medien in den Unterricht kommen.

  3. Danke für den tollen Beitrag – das hört sich nach einem Konzept an, das funktionieren könnte. Vielleicht würde es auch zu einem Austausch der Schulen führen, der m. E. derzeit noch viel zu wenig stattfindet. Vor allem im Bereich der neuen Medien gibt es tolle Einzelprojekte einzelner Lehrkräfte, von denen man aber bereits in der Schule nebenan nichts weiß. Selbst die Lehrkräfte innerhalb einer Schule wissen ja oft nicht, was die Kollegin oder der Kollege gerade im Unterricht macht.

  4. mccab99 sagte:

    Im Prinzip gibt es ein Beratungssystem hier in Niedersachsen durch das NLQ, was jedoch kaum jemand zu kennen scheint. Es deckt aber den wichtigen Punkt konkreter Unterrichtspraxis weniger ab, wohl aber Dinge wie z.B. die Implementierung nachhaltiger Medienentwicklungspläne beim Schulträger. Da gibt es auch die ein oder andere Erfolgsgeschichte. Auch ein Vernetzungsangebot ist in Form des Peercoachings durchaus vorhanden – vom Umfang her jedoch arg bescheiden gemessen an den Herausforderungen. Ich arbeite mit in diesem System und biete auch die von dir beschriebene „Staffelung“ an Fortbildungsangeboten an. Dabei kommen immer wieder recht prosaische Gesetzmäßigkeiten heraus:

    1. Das Medienthema ist eines unter sehr vielen an Schulen
    2. Kultuspolitik ist durch Vorzeigeprojekte und Sparen bestimmt
    3. Ohne Ressourcen (Planstellen) geht nichts. Und die Ressourcen sind umkämpft – das sieht man sehr hübsch am Bereich der Inklusion.
    4. Das Lernen mit digitalen Medien zahlt sich erst mittelfristig durch Entlastungen aus, die Lernkurve und der Aufwand sind am Anfang doch schon recht hoch. Gleichzeitig braucht man für die Motivation zusätzlich schnelle Erfolge.

    Mehr dazu hier: http://riecken.de/?s=transaktionskosten

    Viele Diskussion im den Einsatz von digitalen Medien gehen von Systemen (menschlich und technisch) aus, die es erst noch zu schaffen gilt – was aber nicht wenigen dann zu anstrengend zu sein scheint und man dann lieber mit den Umständen hadert und auf „müsste, könnte, sollte“ hinphilosophiert. Es gibt mir persönlich zu viele „Was“- und zu wenig „Wie-in-den-momentanen-Strukturen-realisieren“-Konzepte

  5. >Die digitale Revolution in den Schulen lässt noch immer auf sich warten.

    Wer auf eine digitale Revolution wartet, kann lange warten. Die wird nicht kommen. Was sollte sich da auch revolutionieren?
    Mir fehlt in den Aufzählungen oben ein Lehrer wie ich: Ich habe das Knowhow, ich habe die Technik (na gut, da ist noch viel Baustelle), ich unterrichte Lehramtsstudierende an der Uni, ich habe Selbstvertrauen und Einsicht, die oben erwähnt werden. Ich habe hoffentlich ich auch den Mut, mich vor Schülerinnen und Schüler zu stellen, die mehr wissen als ich selbst – wobei die Anzahl solcher Schüler äußerst gering ist. Allein, mir fehlt der Glaube an die Revolution (hier wird er „Erkenntnis“ genannt.)

    Als Ergänzung zur oben skizzierten Lösung mit den Weiterbildner schlage ich vor:

    0. Keine Revolution erwarten.

    1. Pflichtfach Informatik. Ohne Grundwissen ist man den neuen Medien ja eh ausgeliefert.

    2. Technische und rechtliche Rahmenbedingungen verbessern (meine gesamte Schule hängt mit 6 Mbit/s am Internet), WLAN ist nicht, Handyempfang auch nur schlecht. Facebook und andere soziale Medien sind per Dienstanweisung verboten.

    3. Gebt den Lehrern Werkzeuge, die sich leicht einsetzen lassen und die ihnen nutzen, und sie werden sie einsetzen! Notenverwaltungssoftware, Zeugnissoftware, Kommunikationsplattformen. (Leicht einsetzbar heißt schon mal: Nicht Moodle.) Diese Software muss entwickelt werden und deren Einsatz datenschutzrechtlich erlaubt sein.

    Selber bin ich mit den Weiterbildnern skeptisch. Zu uns kommen regelmäßig Leute an die Schule, die uns erklären, wie wir Schule richtig machen sollen (neuer Lehrplan, Inklusion, Doppelstundenmodell; externe Evaluation), da schleicht sich eine gewisse Ermüdung ein.

  6. wenn schülerinnen aus einem online-speicher eine vorlage kopieren müssen, um ein referat zu schreiben und dieses wieder in den speicher uploaden müssen, damit es dort orts- und zeitunabhängig diskutiert werden kann, hat das viel mit dem lernen 2.0, aber nichts mit modellen und konzepten und was auch immer zu tun. das setzt handwerk und handeln voraus. das müssen die berufsschullehrer an den lehrerausbildungsstätten können, das müssen die lehrerInnen können – und das müssen die schülerInnen können.

    • moewenleaks sagte:

      Könnte es sein, dass „Berufsschule“ und „Berufsschullehrer“ in D eine andere Bedeutung hat als in der Schweiz?

      Ich stimme da mit dir völlig überein. Ich suche nur nach einem Weg, das „Handwerkszeug“ so in die Köpfe und auf die Geräte der Lehrerinnen und Lehrer zu bekommen, dass sie es auch wirklich (gerne) nutzen.
      Du machst es für dein Kollegium, ich habe es für meines gemacht.
      Aber was machen die Schulen, in deren Kollegien noch keine „Digitalisierer“ sitzen?

      • Es ist so, dass ich die DozentInnen an den Pädagogischen Hochschulen der Schweiz in solch besonderen Momenten gern/lieber Berufsschullehrer an einer Berufsschule = Ausbildungsstätte für LehrerInnen nenne(n würde).
        Sorg dafür, dass die Dozis an den Unis ausgebildet werden, damit sie die Lehramtsstudierenden ausbilden können, damit diese die SchülerInnen medienbilden können.
        Vorher geht leider gar nichts.

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