Lernlab KAS 2014 – digitales Lernen praktisch vermittelt

Am 24.10. 2014 fand in Köln an der Kaiserin-Augusta-Schule (KAS) das zweite Lernlab statt, einerseits eingebettet in die Internetwoche Köln, andererseits als Auftakt zur Konferenz zu Open Educational Resources (OER).

In einem Lernlab – einem „Labor des Lernens“ – zeigen Lehrer sich gegenseitig modellhaft Unterrichtsequenzen und -methoden um einerseits Gelungenes weiterzuverbreiten und andererseits über Neues miteinander ins Gespräch zu kommen; sozusagen eine organisierte Massenhospitation. Thema dieses Lernlabs war das „Lernen mit neuen Medien“.

Im Vormittagsteil der Veranstaltung übernahmen eingeladene Lehrer anderer Schulen den Unterricht einiger KAS-Kollegen, die sich freiwillig gemeldet hatten, und führten (so war es zumindest geplant) deren Unterricht fort, reicherten ihn allerdings mit digitalen Lernmöglichkeiten an. Dieser Unterricht konnte von Lehrern der KAS und anderen angemeldeten Personen mit besucht werden. Nach einer Mittagspause folgten eine Podiumsdiskussion und zwei je 30-minütige Workshops, an denen alle teilnehmen konnten, die sich zuvor über eine Webplattform angemeldet hatten, letztlich ca. 100 Personen aus Schulen, Elternschaft, Politik und weiteren Bildungsbereichen. Diese Workshops waren inhaltlich breit gestreut, so gab es auch Workshops eines Schulbuchverlages, der Bundeszentrale für politische Bildung und von Schülerinnen der KAS selbst.

Als ich die Einladung nach Köln erhielt, zweifelte ich sehr. War das, was in meinem Unterricht abläuft, präsentationsfähig? Vor allem – war es übertragbar? Was mir zu dem Zeitpunkt nicht klar war, war der Schwerpunkt des Lernlabs: iPads und Smartphones. So kam es zum worst-case-Szenario: Unterricht in einer anderen Schulform mit einer unbekannten Klasse, unbekanntem technischem Equipment und in einem Fach, das ich nicht studiert habe. Den ersten Workshop musste ich daher meinem Teampartner überlassen und war nur an der Ideengebung, bzw. später als helfender Hospitant beteiligt. Es standen uns „nur“ iPads zur Verfügung – ein Gerät, mit dessen  Bedienung ich zwar grundsätzlich vertraut bin, nicht aber mit der eingesetzten Software iMovie.  Bei diesem Workshop zeigte sich bereits, dass die „Vorbuchung“ der Workshops nicht von allen Gästen genutzt wurde. Man entschied spontan, eine Session zu besuchen und so kam es zu einer deutlichen Ungleichverteilung von Hospitanden innerhalb der Workshops, die eigentlich vermieden werden sollte.

In der Doppelstunde wurde gezeigt, wie mittels iMovie aus den gezeichneten Einzelbildern eines Comics der Schülerinnen und Schüler ein einfaches Video mit Soundeffekten entstehen kann. Die Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse waren überwiegend konzentriert bei der Sache, experimentierten aber noch wenig mit Kameraführung und Zoom. Innerhalb von 90 Minuten gelang es sowohl in die grundlegenden Möglichkeiten der Software einzuführen als auch ansprechende, einfache Videos zu erstellen.

Der zweite Workshop fand in einem der PC-Räume statt, allerdings nicht, wie sich bald herausstellte, in dem vorgesehenen. Statt des Smartboards gab es nur einen Beamer, der von einem seitlich stehenden PC aus bedient wurde – für den Unterricht und die Ergebnispräsentation eine ungünstige Situation. Schnell wurde ein virtuelles Whiteboard über das Netz gestartet, damit der geplante Stundeneinstieg wenigstens angenähert werden konnte. Nach einem kurzen Theorieblock bekamen die Schülerinnen und Schüler die zusammengefassten Inhalte noch einmal auf einer vorbereiteten Wiki-Seite zur Verfügung gestellt, die sie auf ihrem Rechner jederzeit aufrufen konnten.

Nun wurde die Internetanwendung vorgestellt, die die Schülerinnen und Schüler einsetzen sollten – Thinglink.com. Diese Anwendung ermöglicht es, Grafiken mit Anmerkungen zu versehen. In diesem Fall sollten vorbereitete Bilder daraufhin untersucht werden, in welcher Funktion die Farbe eingesetzt wurde. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich nicht nur für eine Funktion entscheiden, sondern ihre Einschätzung an spezifischen Stellen des Bildes begründen, indem sie an diesen Stellen „Tags“ setzten und dort weitere Informationen hinterlegten. Die technische Anleitung zur Benutzung der Anwendung war ebenfalls im Wiki nachzulesen. In Partnerarbeit wurde nun die Aufgabe in Angriff genommen. Die Schülerinnen und Schüler recherchierten teilweise sehr intensiv, nicht immer zielgerichtet, aber stets aufgabenbezogen. So beschäftigte sich ein Team nur oberflächlich mit der Farbfunktion, dafür aber ausgiebig mit weiteren Bildern des Malers, ein anderes Team tauchte tief in die Farbsymbolik des Mittelalters ein. Schön war es zu sehen, wie selbstverständlich in diesem Team das Smartphone zur Recherche, Stift und Block für die Notizen und der Rechner zum Taggen eingesetzt wurden. So hatte ich mir das vorgestellt.

Die Stunde endete mit der Präsentation der einzelnen Teams und der Besprechung der Ergebnisse. Auch hier wäre es schön gewesen, über ein interaktives Whiteboard zu verfügen. So befand sich das projizierte Bild außerhalb der „Reichweite“ der Schülerinnen und Schüler, ein Agieren mit dem zu besprechenden Bild war nicht möglich.

Leider nahm an dieser Session außer der Fachlehrkraft nur ein weiterer Lehrer der KAS teil. Dies mag an dem falschen Raum, vielleicht aber auch daran gelegen haben, dass diese Stunde in der Ankündigung nicht sehr progressiv klang und das Wort iPad fehlte. Mit den anwesenden Lehrern kam es während der Stunde, aber auch danach zu interessanten Diskussionen. Natürlich kann man eine solche Stunde auch analog halten, mit farbigen Ausdrucken, Plakaten und Klebstoff. Der Einsatz digitaler Medien brachte keinen inhaltlichen Mehrwert bezogen auf das Fach Kunst, sondern war „lediglich“ eine andere Methode, bei der die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler erweitert wurde. Hier zeigt sich die Relevanz der Lehrerinnen und Lehrer: Lieber eine „analoge“ Stunde halten, von der man überzeugt ist und deren Methoden man beherrscht, als allein um des Digitalen willen Methoden und neue Medien einsetzen, bei denen man sich unwohl und unsicher fühlt. Für Schülerinnen und Schüler sollte der Unterricht eines Tages abwechslungsreich – dazu gehören Methoden -und Medienwechsel – und lehrreich sein – und dazu gehört eine authentische, fachkompetente,  in ihrem Handeln überzeugende und überzeugte Lehrkraft.

Der Nachmittagsworkshop war als „Einsteigerworkshop“ gekennzeichnet. Hier stellte ich mit den „Learningapps“ eine plattformunabhängige, niedrigschwellige Anwendung vor, mit der schnell direkt im Unterricht einsetzbare, kleine interaktive Lernspiele erstellt werden können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiteten teilweise auf eigenen Geräten – Handy und Tablet -, teils auf den vorhandenen PCs.  Der Workshop war gut besucht, und ich hatte am Ende den Eindruck, dass alle Teilnehmer zumindest mit dem Vorsatz gingen, diese Idee weiter zu verfolgen. Auch hier gab es technische Probleme – zwar war nun im Raum ein Smartboard, dieses übertrug aber nicht das Bild des Rechners am Lehrerplatz. Außerdem hatte ich keine Zugangsdaten für die PCs. Zum Glück konnte eine anwesende Kollegin der KAS da weiterhelfen. 30 Minuten sind für solch einen praxisbezogenen Workshop zu kurz, zumal wir mit Verspätung starteten und die ersten Minuten vom Kampf mit dem Smartboard bestimmt wurden. Hier wird sichtbar, wie wichtig es ist, dass die vorhandene Technik jederzeit problemlos einsetzbar ist. Eine Lehrkraft, die versuchweise, noch unsicher die ersten digitalen Unterrichtsschritte machen möchte, wird nach solchen technischen Problemen so schnell keinen weiteren Versuch unternehmen.

Was ich bei diesem Lernlab vorgestellt habe, war Lernen 1.0 mit digitalen Mitteln, dessen bin ich mir bewusst. Lernen 2.0 erfordert digitale Kommunkation, Teamwork, Vernetzung über den Lernraum „Klasse“ hinaus. Meine Zielsetzung war jedoch, Lehrern, die bisher noch keine oder nur wenig Zuneigung zum Unterricht mit neuen Medien besaßen, Wege zu einem leichten Einstieg in das Lernen mit digitalen Mitteln zu zeigen. Und ich denke, dies habe ich erreichen können.

Insgesamt finde ich die Lernlab-Idee großartig. Kleine Probleme sind da, um erkannt und demnächst vermieden zu werden. Ich würde – nun um einige Erfahrungen reicher – an diesem oder einem anderen Ort jederzeit wieder teilnehmen.

Fazit des Lernlabs aus meiner (sehr subjektiven) Sicht:
  • sehr gute Organisation im Vorfeld der Veranstaltung
  • gute Zusammenarbeit und
  • offene, ehrliche Diskussionen mit den Kolleginnen und Kollegen der KAS
  • sehr leckeres Essen
  • schön, alte Bekannte wieder zu sehen und neue digitale Überzeugungstäter kennenzulernen

gewünscht hätte ich mir:

  • eine kontroversere Podiumsdiskussion am Nachmittag
  • einen Technikexperten in jedem Raum (gerne auch einen älteren Schüler)
  • eine breitere Ausrichtung – es gibt mehr als iPad und Twitter
  • etwas Zeit für einen Kaffee zwischendurch
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