Digitaler Workflow – Wiki

Mein liebstes digitales Tool sind meine Wikis. Ich besitze mehrere davon und bin an anderen aktiv oder passiv beteiligt. Als Anbieter nutze ich wikispaces.com. Nach einer kurzen Erfahrung bei Wikipedia war ich über den Wysiwig-Editor mehr als erfreut, die neuere Entwicklung („classroom“) habe ich noch nicht erforscht, ich nutze vorerst weiterhin die klassische Wiki-Umgebung.

Wiki als Organisationstool

Derzeit besitze ich ein Klassenwiki und ein Fachunterrichtswiki, mit denen ich meinen Unterricht kommuniziere. Hier finden Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern Arbeitspläne, Termine und Materialien, bzw. Links dazu. Im Klassenwiki werden auch aktuelle Hausaufgaben eingestellt, so sie für alle identisch sind. Das Angebot wird von Schülerinnen und Schülern häufig genutzt, besonders vor Lernzielkontrollen. Die Eltern fühlen sich meist sehr gut informiert über das, was ihre Kinder in der Schule machen, und ein verlorener Elternbrief ist auch kein Problem mehr, da meine Mitteilungen hier noch einmal (als PDF) abrufbar sind. Eine kontinuierliche Information über Unterrichtsinhalte scheint mir in einer Klasse mit wenig Hausaufgaben, in der zudem die Schulbücher und Arbeitshefte vorwiegend in der Klasse aufbewahrt werden, sehr wichtig. Sie gibt den Eltern Sicherheit. Der Schnitt nach dem Kindergarten, in dem man in den Abholphasen stets erfuhr, was am Tag geschehen war, ist nicht ganz so heftig. Diese Wikis sind in stetem Fluss und verändern sich permanent.

Wiki als Projektbegleitung / Tagebuch

Wir schickten (realiter) ein Kuscheltier auf eine Reise nach Südamerika. In einem Wiki berichtete es von seinen Erlebnissen. Die Schülerinnen und Schüler lasen und antworteten darauf. Die Wikistruktur entsprach den Reise-Monaten. Das Wiki war hier primär Lese- und Schreibanlass, daneben diente es dem Interkulturellen Lernen und zur Dokumentation eines Projektes. Nach dessen Abschluss verbleibt es nun unverändert im Internet, bis es nicht mehr benötigt (oder der verfügbare Speicherplatz knapp) wird.

Wiki als Webquest

Über Webquests habe ich bereits gebloggt. Wikis eignen sich sehr schön als übergeordnete Struktur für ein Webquest, da alle Kernpunkte (Einführung, Aufgabenstellung, Vorgehensweise, digital verfügbares Material, Bewertung, Danksagung/Quellen) jederzeit einfach abrufbar sind.

Wiki als Kollaborationsplattform

Sehr interessant fand ich die Entwicklung des Arbeitskreises Grundschulmathematik. Über Studi-VZ fanden sich mehrere Grundschullehrer und Lehramtsstudenten mit dem Fach Mathematik zusammen und gründeten dieses Wiki, in dem der Mathematikunterrricht modular zerlegt wurde („Bausteine“) und zu jedem Modul Informationen, freies oder selbst erstelltes Arbeitsmaterial und nützliche Links zusammengestellt wurden. Das Wiki ist auf Wunsch der Gründerin geschlossen gestaltet, um das „Abschöpfen“ von Material zu verhindern. Nur wer gibt, darf auch nehmen. Obwohl nicht anonym, haben hier Unbekannte miteinander gearbeitet und, wie ich meine, Nützliches geschaffen.

Ich habe auch schon Wikis von Schülern „befüllen“ lassen. Mir scheint, um dabei ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen, braucht man viel Zeit: Zeit für die Recherche, Zeit für die Erarbeitung des Inhaltes, Zeit für die Überarbeitung. Außerdem müssen die Schüler schon recht geübt im Recherchieren sein und ein Bewusstsein für das Urheberrecht, Quellenangaben und Zitierregeln entwickelt haben. Sie müssen als Team arbeiten, es kann jeweils nur einer, bzw. ein Teammitglied aktiv an einer Seite arbeiten, sonst überspeichern sie die Arbeit der anderen. Gerade ein Wiki scheint dazu zu verlocken, per copy and paste Textabschnitte von anderen Seiten direkt einzufügen.  Für kurze Arbeitsphasen, in denen Material zusammengetragen werden soll, nutze ich daher andere Tools. Ich werde aber weiterhin damit experimentieren, mit (Grund-)Schülern gemeinsam ein Wiki zu erstellen.

Wiki als Materialsammlung und Lernlandschaft

In themenbezogenen Wikis sammele ich Informationen und Links zu bereits im Netz vorhandenen oder von mir selbst erstellten Lernspielen. So entsteht nach und nach eine Lernlandschaft, die Kinder in der Freiarbeit erforschen oder, mit Aufgaben versehen, sich gezielt erarbeiten können. Je nach vorhandener Zeit und Interesse können sie auf den Seiten bleiben und sich dort mit den wichtigsten (unterrichtsrelevanten) Informationen versorgen, oder tiefer einsteigen und die entsprechenden Links verfolgen. Ein erstes Beispiel dieses Konzeptes findet sich im Mittelalter-Wiki. Wie man sieht, liegt da noch viel Arbeit vor mir, das Endergebnis lässt sich aber schon erahnen.

Während ich Blogs als lineare Information, strukturiert durch die Zeit, wahrnehme, verstehe ich Wikis als parallel strukturierte Information. Sie sind veränderbar, während ein Blog statisch ist. Zwar kann er durch Kommentare ergänzt werden, diese sind aber nicht immer sichtbar. In einem Wiki behalte ich durch aussagekräftige Seitenüberschriften die Übersicht über alle relevanten Themen und kann bequem zwischen ihnen hin und her wechseln. Sie sind, im Gegensatz zum Blog, der durch die Kommentarfunktion viel stärker dialogisch funktioniert, monologisch ausgerichtet – die Information geht vom schreibenden Wiki-Besitzer/ Wiki-Mitglied zum Leser. So darf es aber auch sein. Um miteinander zu diskutieren, nutzen meine Schülerinnen und Schüler und ich andere, weniger öffentliche Tools.

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